Farbratten

Familie, Ordnung
Die Wanderratte (Rattus norwegicus) ist trotz ihres Namens ein zu den echten Mäusen gezähltes Nagetier (Rodentia) aus der Familie der Langschwanzmäuse und ist der Vorfahre aller Farbratten.
Ordnung: Nagetiere (Rodentia), Unterordnung Mäuseverwandte (Myomorpha), Gattung Eigentliche Ratten (Rattus), Art Wanderratte (Rattus norvegicus).

Herkunft und Verbreitung
 Der Ursprung der Wanderratte findet sich in  Zentralasien und Nordchina. Sie hat sich wie die Hausratte als Kulturfolger des Menschen in sämtliche Welt ausgebreitet. Knochenfunde der Wanderratte in Schleswig-Holstein wurden auf das 9. bis 10. Jahrhundert nach der Zeit datiert. Ab dem 18. Jahrhundert begann eine starke Verbreitung, die zur Verdrängung der Hausratte führte. Bedingt durch die veränderte Lebensweise der Menschen, den Bau moderner Häuser und die Kanalisation konnte sich die Wanderratte stark vermehren. In weniger modernen Siedlungen von Menschen ist ihr Verbreitungsbereich dagegen begrenzt.  Sie schwimmt sehr gut, klettern ist dagegen nicht ihre Stärke. Gerade in modernen Großstädten findet sie ideale Bedingungen vor. Man schätzt das z.B. in New York 16 Millionen Wanderratten leben, also pro Einwohner zwei Wanderratten.

Paar- / Gruppen-/ Einzelhaltung
Einzelhaltung ist für diese Tiere Quälerei. Ratten sind sehr soziale Tiere und sollten deshalb nie alleine gehalten werden. Sie haben ein starke Rudelbindung, daher ist es auch nicht ideal nur ein Pärchen zu halten, denn wenn ein Partner verstirbt leidet das verbleibende Tier stark unter dem Verlust, Neuintegrationen können langwierig und problematisch werden.Am besten ist es zu Beginn gleich 3 oder 4 Tiere aufzunehmen, die bereits Teil eines Rudels sind. Der finanzielle und zeitliche Aufwand ist erfahrungsgemäß kaum größer, als bei zwei Tieren. Gemischtgeschlechtliche Gruppen nur mit kastrierten Böcken

Lebenserwartung: 1,5 – 3 Jahre

Gewicht/Größe: 250 – 600 Gramm, Böckchen schwerer als Weibchen,
22-26 cm + Schwanz 18-22 cm

Geschlechtsreife
Zwischen der 4. und 6. Woche, Geschlechtertrennung nach 4 Wochen

Tragzeit: Ca. 21 Tage
Wurfgröße bis zu 14 Junge; alle drei – vier Wochen

Käfig/Stall/Gehege
Generell gilt je größer das Gehege, desto besser. Zu groß gibt es nicht. Zu klein sind die im Handel empfohlenen Käfige mit den Maßen B 50 x L 80 x H 100 cm.In jedem Fall ist eine Voliere mit den Maßen L 100 x B 80 x H 200 empfehlenswert. Hier können Zwischenböden eingebaut werden, dem Heimwerker sind kaum Grenzen gesetzt. Tolle Tipps und Anleitungen findet man auf www.rattenwelt.

Ratten lieben Abwechslung, sie klettern, nagen, liegen gerne in selbstgebastelten Hängematten, die man aus Leineneinkaufstaschen, alten Handtüchern oder den Beinen einer abgeschnittenen Jeans basteln kann. Auf Plastikgegenstände sollte verzichtet werden, da von den Ratten alles angenagt und zum Teil gefressen wird! Verwenden Sie lieber Holzhäuschen, Korkröhren, Wurzeln, Seile und Holzleitern oder zum Beispiel einen großen Ast von einem Apfelbaum.

Zum Nestbau kann man Toilettenpapier oder Taschentücher anbieten, dabei bitte unparfümiertes, ungefärbtes und wasserlösliches Material verwenden.

Da viele Ratten gegen Heu oder normale Kleintierstreu allergisch reagieren, sollte darauf verzichtet werden.

Für die Toiletten bitte keinesfalls Katzenstreu verwenden, der Staub kann zu Lungenschäden führen und schlimmstenfalls provozieren Sie den Tod der Tiere, weil sie das Streu fressen und es im Magen verklumpt.
Ich selbst habe sehr gute Erfahrungen mit Sand gemacht, man kann aber auch z.B. Hanfstreu verwenden.

Reinigung
Einmal die Woche ist eine Komplettreinigung inclusive Häuschen, Röhren etc. dringend erforderlich, Sie werden wahrscheinlich feststellen, dass es sogar öfter ratsam ist, da Ratten selten stubenrein werden und die Ausscheidungen einen intensiven „Duft“ an sich haben.

Ratten und Kinder
Ratten sind kein Spielzeug, genauso wenig wie jedes andere Tier. Daher halte ich Ratten generell für Kinder unter 10 Jahren ungeeignet. Es sollte auch immer ein Erwachsener dabei sein, wenn sich Kinder ausserhalb der Voliere mit den Tieren beschäftigen.

Futter
Trockenfutter:
Menge: ca. 1 EL am Tag pro Ratte. Sollten die Ratten das Futter bunkern, dann geben Sie etwas weniger, ist das Töpfchen jedoch gleich leer, ohne das die Verstecke gefüllt wurden, so dürfen Sie getrost etwas mehr geben. Trockenfutter sollte immer vorhanden sein.
Ich persönlich verfüttere Rattima von der Firma Tima und bin damit auch sehr zufrieden. Es gibt aber natürlich auch andere zufriedenstellende Futtersorten, achten Sie aber bitte darauf, dass das Futter gut riecht und frisch aussieht, nicht nur fetthaltige Bestandteile wie Kerne und Nüsse enthält und auch nicht nur aus buntem, aufgepoppten Zutaten besteht.

Frischfutter: Sollte es auch jeden Tag einmal geben, bitte in ausgewogenen Mengen, denn was nicht gefressen und gebunkert wird verdirbt natürlich auch recht schnell, aber zu wenig sollte es auch nicht sein, denn wenn nicht jede Ratte etwas ab bekommt ist Streit oft unvermeidlich.
Beispielsweise kann folgendes verfüttert werden: Apfel, Banane (Vorsicht-Dickmacher), Broccoli, Brombeeren, Erdbeeren, Feldsalat, Fenchel, Gurken (bei meinen sehr beliebt), Johannisbeeren, Karotten, Mais (frisch)
Bitte neue Futtersorten langsam anfüttern und beobachten, ob sie auch vertragen werden (Durchfall etc.).

Gut sind auch Grünfutter und getrocknete Kräuter, hier einige Beispiele: Ackerminze, Kamille, Löwenzahn, Melisse, Petersilie, Pfefferminze, Ringelblumen, Sonnenblumen (nicht aus der Gärtnerei wg. Düngung), Spitzwegerich, Schafgarbe

Ratten benötigen auch ca. 2 x wöchentlich tierische Nahrung, hier eignen sich Hundekuchen (kein Katzenfutter, da taurinhaltig!), ein gekochtes Ei, Magerquark, Hüttenkäse oder auch mal ein Fruchtjoghurt, allerdings nicht zu viele Milchprodukte, da diese zu Durchfall führen. Auch lieben Ratten gekochte Nudeln, Kartoffeln oder Reis, das ist gelegentlich als Leckerchen erlaubt und ist das allerbeste Hilfsmittel, seine Rattels zutraulicher zu machen. Aber bitte ungesalzen!!! Auf hartes, altes Brot sollte verzichtet werden, denn auch wenn wir den Schimmel noch nicht mit bloßem Auge erkennen können, ist er meistens schon vorhanden.

Da Ratten natürlich gerne nagen dürfen Sie auch jederzeit Zweige anbieten, gut geeignet sind z.B. Apfelbaum, Birnbaum, Haselnusssträucher.

Bitte nehmen Sie Abstand von ungesunden Leckerchen (z.B. Joghurtdrops oder Knabberstangen), die der Handel leider sehr vielfältig anbietet. In den meisten Föllen enthalten Sie zu viel Zucker. Statt dessen lieber ein Stückchen Apfel oder ein paar Nudeln geben, Ihre Tiere lieben Sie dafür genauso!

Zudem muss natürlich immer frisches Wasser zur Verfügung stehen, es kann in Nippeltränken und standhaften Näpfen angeboten werden.

Krankheiten
Ratten können zahlreiche Erkrankungen haben, auf die hier aber nicht im Einzelnen eingegangen werden kann. Deshalb nur einige rattentypische Erkrankungen.

Zeigt Ihre Ratte Krankheitsanzeichen oder ist apathisch suchen Sie bitte einen Tierarzt auf. Abwarten bzw. Eigendiagnosen haben leider oft einen vermeidbaren Tod zur Folge. Viele Tierärzte bieten inzwischen auch nachts Notdienste an.

Mykoplasmose
Der Erreger (Mycoplasma pulmonis) ist wirtsspezifisch und baktrienähnlich. Die Stämme treten bei Ratten bevorzugt in der Lunge auf um später evtl. andere Organe zu infizieren, typischer Weise ist das Mittelohr betroffen, häufig auch der Genitalbereich.Das Immunsystem wird geschwächt, somit ist anderen Erkrankungen der Weg geebnet, oft wird die M. erst durch Sekundärkrankheiten entdeckt, z.B. eine Lungenentzündung.Eine Impfung ist nicht möglich. Leider ist M. ansteckend, schwer behandelbar und verläuft meist tödlich. Gefährlich ist die Mykoplasmose vor allem deswegen, weil sie zusätzlich zum Angriff auf das Lungengewebe das Immunsystem schwächt und so weiteren Erregern den Weg bereitet. Häufig entsteht der Verdacht auf M. dann auch erst durch Sekundärkrankheiten. (Lungenentzündung z.B.) Das wichtigste: Sie ist ansteckend, schwer zu behandeln, kaum nachzuweisen und potentiell tödlich. Tests sind schwer durchzuführen und wenig aussagekräftig, außerdem ist eine allgemeine Impfung nicht möglich, da es zu viele unterschiedliche Stämme dieser Erreger gibt.

Bluttränen/Nasenbluten
Hier handelt es sich meist um das Sekret der Harderschen Drüsen, das durch Porphyrin rötlich gefärbt ist.Die genauen Zusammenhänge sind umstritten, es gibt hierzu einige Thesen, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll, aber auf jeden Fall steht als Ergebnis für den Halter fest, dass eine Schwächung des Immunsystems vorliegt oder die Ratte unter starkem Stress steht.Da Ratten sich häufig putzen ist das Sekret unter Umständen nicht ständig sichtbar. Beobachten Sie die betroffene Ratte gut, bei Krankheitsanzeichen (Atemgeräusche, Niesen) bitte sofort einen Tierarzt aufsuchen.

Sehschwäche/Kopfpendeln
Gerade bei Ratten mit roten (pink) oder dunkelroten Augen (ruby bzw. dark ruby) wird oftmals ein Pendeln mit dem Kopf beobachtet. Diese Tiere leiden unter einer Sehschwäche und versuchen diese durch die Pendelbewegung auszugleichen. Die Intensität des Pendelns steht nicht im direkten Zusammenhang mit der Schwere der Sehschwäche, dies kann varieren.Die Tiere kommen gut damit zurecht, jedoch sollte der Halter hier beachten, dass es wichtig ist, eine vertraute Umgebung zu schaffen. Stellen sie die Gehegeeinrichtung nicht mehr um, achten Sie beim Auslauf darauf, dass alles an seinem gewohnten Platz ist, leider kommen immer wieder Tiere durch Stürze ums Leben, weil die bisher vorhandene Treppe vom Halter umgestellt wurde, um Abwechslung im Käfig zu schaffen ... gut gemeint, aber in solchen Fällen leider falschverstandene Tierliebe.
Sprechen Sie Ihre Tiere leise an, wenn Sie sich nähern oder benutzen Sie akkustische Signale, wie leises Pfeifen oder ein Schnalzen mit der Zunge. So verhindern Sie, dass sich die Tiere erschrecken und zu Angstbeissern werden.

Impfen
Es gibt derzeit keine Schutzimpfungen gegen gängige Krankheiten.

Aufwand und Kosten
Da leider die wenigsten Ratten das Glück haben eines natürlichen Todes sterben zu dürfen, sondern von Tumoren befallen werden, übersteigen die Tierarztkosten die Anschaffungskosten einer Ratte bei weitem. Darüber sollte man sich vorab klar sein und nur, wenn auch die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung stehen, die Entscheidung treffen, sich Ratten zuzulegen.