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Käfig, Stall, Aussenhaltung

Kastration/Frühkastration

Kaudaldrüse

Krankheiten

Meerschweinchen und Kaninchen

Meerschweinchen und Kinder

Meerschweinchen und andere Tiere

Nachwuchs / Vermehrung

Tipps zur Vergesellschaftung

Das Meerschweinchen (Cavia aperea porcellus)

Familie: Caviidae - Meerschweinchen
Ordnung: Rodentia – Nagetiere

Besonderheit:
Das Meerschweinchen gehört zu den Nagetieren, es wird jedoch in Fachkreisen diskutiert, eine eigene Ordnung für diese Tiere zu erstellen. Einige Merkmale werden nämlich von Meerscheinchen nicht erfüllt die typisch für Nagetiere sind, z.B. das Halten des Futters mit den Vorderpfoten bei der Nahrungsaufnahme.

Herkunft und Verbreitung: Die ursprüngliche Heimat ist Mittel- und Südamerika. Vor ca. 3.000 Jahren wurden sie schon in Peru als Opfertiere und zur Fleischgewinnung gehalten. Holländische Seefahrer haben die possierlichen Tiere für ihre Kinder über das Meer nach Europa gebracht.

Lebensraum, Verhalten in der Natur: Wie der Name Cavia (Höhle) schon sagt, leben Meerschweinchen in freier Wildbahn in Höhlen, die sie aber nicht selbst graben. Dort halten sich die Tiere aber nicht ständig auf, sondern suchen nur zeitweilig Schutz.

Meerschweinchen leben in Gruppen von ca. 3-10 Tieren und haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Bei Gefahr suchen sie Schutz bei ihren Artgenossen und die Tiere drängen sich eng zusammen. Sie sind sehr bewegungsfreudig und legen weite Entfernungen zurück.
Meerschweinchen sind Fluchttiere und dämmerungsaktiv.




Paar- / Gruppen-/ Einzelhaltung: Meerschweinchen sind Gruppentiere und sollten deshalb nie alleine gehalten werden. Einzelhaltung ist für diese Tiere Quälerei. Mehrere Weibchen: Ist möglich, falls es jedoch zu Kämpfen kommt, sollte ein kastriertes Männchen dazu vergesellschaftet werden.
Kastriertes Männchen und Weibchen: Gute Kombination, allerdings hat ein Weibchen alleine auch oft unter einem zu zudringlichen Böckchen zu leiden, besser wäre also ein Kastrat mit mindestens zwei Weibchen, zudem entspricht dies der ntürlichen Lebensform noch mehr und auch beim Tod eines Tieres ist das verbliebene nicht allein.
Gruppenhaltung: Ideal ist EIN Böckchen und mehrere Weibchen. Erst wenn man Meerschweinchen als Gruppe hält erlebt man tatsächlich wie sozial diese Tiere sind, es gibt einfach nicths schöneres als Gruppenhaltung!

BOCKGRUPPEN
In der Natur bestehen die Sippen der Meerschweinchen aus einem Bock, mehreren Weibchen und Jungtieren. Heranwachsende Böcke leben in der Sippe, bis sie durch den Eintritt der Geschlechtsreife und den daraus resultierenden Rangordnungskämpfen als Unterlegene das Feld räumen müssen oder aber dem Chef den Rang ablaufen und die Sippe übernehmen.

Wenn wir von einem Geburtsverhältnis 1:1 weibliche und männliche Tiere ausgehen und von einer Sippenstärke von 5-6 Tieren, darunter nur ein Bock, dann bleiben natürlich viele Böcke übrig, die nun entweder einen eigenen Harem gründen oder sich zwangsweise mit anderen unterlegen und wenig dominanten Böcken zusammenschließen.

Über die Frage, ob es nun eine gute Wahl ist, mehrere Meerschweinböcke zusammen als Haustiere zu halten gibt es viele Diskussionen ... wir sagen NEIN, weil

  • Böcke KÖNNEN sich verstehen, aber gibt es Streit, dann ist dieser meist nicht mehr zu kitten, auch nicht durch Kastration und leider ist dies häufig der Fall
  • Meerschweinchen sind sehr bewegungsfreudige Tiere, wenn man ihnen die Möglichkeit dazu gibt, bei Böcken kommt noch dazu, dass sie sich aus dem Weg gehen können müssen, um die Gruppe/das Paar dauerhaft harmonisch zu halten. Mindestens 1 Quadratmeter pro Bock ist Pflicht! Somit ist normale Käfighaltung bei Böckchen nicht mehr durchführbar
  • Eine Kastration ist in jedem Fall erforderlich, denn wenn ein älterer Bock neu vergesellschaftet werden muss, gibt es kaum mehr Alternativen, oft klappt es nur noch mit einem frühkastrierten Babyböckchen ... was ist aber für die Tiere der Nutzen dieser Konstellation?
    Das ältere Tier ist nicht mehr so aktiv, will mehr Ruhe, der Babybock will toben, ist lebenslustig und aktiv ... also wieder ein Zwangsarrangement, welches das menschliche Gewissen beruhigt, aber die Tiere nicht wirklich glücklich macht.
Ist der ältere Bock kastriert, so kann man ihn problemlos mit ein bis zwei Weibchen in seinem Alter vergesellschaften.

Wie kommen wir dazu solche Behauptungen aufzustellen?

Es sind leider Tatsachen, denn sehr oft kommen Halter auf uns zu, die einen Teil ihrer Böcke bei uns abgeben möchten, weil die Gruppe zerbrochen ist. Und das sind keine Fälle, die nur alle paar Monate auftreten, wir werden sehr oft damit konfrontiert! Auch sind das nicht immer unerfahrene Menschen, sondern auch Halter, die jahrelange Erfahrung mit Bockgruppen gesammelt haben und deren Tendenz inzwischen auch zu Gemischtgruppen geht.

Immer wieder kommt das Argument, dass man Böcke aus Mitleid hält, weil viele Böckchen, wenn sie nicht verkauft werden, als Futtertiere enden. Das ist richtig und wir können dieses Argument nachvollziehen, aber nur, wenn die Böcke auch kastriert werden, denn sonst ist es in unseren Augen nur eine billige Ausrede ... Böcke sind billiger im Zoofachhandel und in den Baumärkten als Weibchen.

Wenn Sie sich für eine Bockgruppe entscheiden, dann halten Sie sich bitte an folgende Regeln:

  • Jeder Bock muss kastriert sein

  • Ein Quadratmeter PRO BOCK

  • Weibchen im gleichen Raum KÖNNEN zu Streit innerhalb der Bockgruppe führen, halten sie diese also in einem separaten Zimmer

  • Sie müssen sich vorher darüber im Klaren sein, was Sie tun werden, wenn die Gruppe (evtl. auch erst nach Jahren) zerbricht. Haben Sie genug Platz, um alle Böcke anderweitig artgerecht unterzubringen und ihnen Weibchen dazu zu holen

    Es ist KEINE LÖSUNG die Böcke EINZELN ZU HALTEN!!!

    Zu guter Letzt, wir vermitteln NICHT in Bockgruppen, falls Sie jedoch ein älteres, einsames Böckchen zu Hause haben versuchen wir natürlich eine Lösung mit Ihnen zu finden, wenn eine Kastration aus medizinischen Gründen ausgeschlossen werden muss.



    Kaninchen und Meerschweinchen: NEIN!!! Meerschweinchen ersetzen nie dem Kaninchen den Partner und umgekehrt! Sie sprechen eine andere Sprache ... wollen SIE mit einem Ausserirdischen, der sich nur über Körpersprache verständigt und den Sie bis ans Lebensende missverstehen werden, eine Partnerschaft eingehen?
    Gruppenhaltung mit mehreren Meerschweinchen und mehreren Kaninchen in großen Gehegen ist möglich.

    Ein trauriges, wahres Beispiel aus eigener Erfahrung: 2 Abgabetiere (Herrchen musste dringend ins Ausland), ein Meerschweinchen, männlich, ausgewachsen mit nur 400 Gramm, das total stumpfe Fell bis zum Körper abgefressen, psychisch und physisch total am Ende und dabei ein 5-Kilo-Kaninchen ... Beide zusammen in einem 80ger-Käfig. Das Kaninchen lebte bis vor Kurzem in meiner eigenen Gruppe zusammen mit Artgenossen, das Meerschweinchen konnten wir leider nicht retten! Ausserdem gibt es immer wieder Fälle von Vergewaltigung, wenn ein unkastrierter Kaninchenrammler zusammen mit einem weiblichen Meerschweinchen gehalten wird!



    Lebenserwartung: 6-8 Jahre, vereinzelt gibt es aber auch Meerschweinchen über 10 Jahre

    Gewicht: Weibchen 700g bis 1200g, Männchen 800g bis 1600g

    Körperthemperatur: Die normale Körperthemperatur liegt zwischen 38,5 - 39,5 Grad

    Augen/Sehvermögen: Seitlich am Kopf sitzende Augen ermöglichen ein großes Blickfeld, das sowohl für die Früherkennung von Feinden, wie auch zur Sichtung der Rudelangehörigen, bei denen im Gefahrenfall Schutz gesucht wird, wichtig ist.
    Ihre Augen können mehr Bilder pro Sekunde erfassen, als die des Menschen, zudem sind sie in der Lage Farben zu erkennen.

    Nachwuchs / Vermehrung:

    Geschlechtsreife: Ab der 3. Lebenswoche möglich (normal 4.-5. Woche), ab ca. 250g Körpergewicht, Weibchen bereits früher. Frühkastration mit 200-300g möglich. Später muss die Kastrationsquarantäne (6 Wochen) eingehalten werden, da die Restspermien noch so lange lebensfähig sind.

    Tragzeit: 68 - 71 Tage
    Wurfgröße: 1 bis 6 Junge; Weibchen kann gleich nach der Geburt eines Wurfes wieder gedeckt werden

    Hochträchtiges Weibchen:

    Baby-Meerscheinchen sind Nestflüchter, d.h. sie kommen voll entwickelt mit Fell und offenen Augen zur Welt. Die Tiere sind jedoch in den ersten Wochen auf die Milch der Mutter angewiesen und sollten nicht vor der 4. Lebenswoche von ihr getrennt werden (ca. 300g). Und auch dann brauchen die Kleinen unbedingt noch die Gesellschaft von erwachsenen Tieren,um vernünftig sozialisiert zu werden. Die jungen Böckchen sollten also, falls sie nicht frühkastriet werden, zum Papa umziehen. Sind mehrere Mütter im Gehege, säugen diese auch die fremden Babies (trächtige Weibchen müssen von der Gruppe nicht isoliert werden).

    Bitte lassen Sie alle männlichen Tiere kastrieren, es gibt genug Tiere, auch viele Babies, die in Tierheimen und Notstationen auf ein schönes Zuhause warten. Immer wieder werden trächtige Weibchen bei uns abgegeben. Ausserdem sollte man sich unbedingt mit der Genetik der Tiere beschäftigen, bestimmte Kreuzungen können Missbildungen, Totgeburten (Vorsicht Photo!) und auch den Tod des Muttertieres zur Folge haben. Ein Weibchen sollte weder zu jung noch zu alt sein.

    Säugende Mama:


    Wenn zwei Tiere miteinander verpaart werden, die mit einem Lethalfaktor (letal = tödlich) ausgestattet sind, hat dies zur Folge, dass die Jungtiere in der Regel nicht lebensfähig sind (schwerste Missbildungen und Organschäden) und oft sogar die Mutter schon vor der Geburt verstirbt.

    Keinesfalls verpaart werden dürfen:
    Schimmel x Schimmel
    Dalmatiner x Dalmatiner
    Dalmatiner x Schimmel

    Aber auch bei allen anderen Tieren mit weißem Fell (es genügen ein bis zwei weiße Haare) kann es sich um Schimmel-Schecken handeln und eine Verpaarung wird zum Risiko und sogar zu einem Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, denn hier handelt es sich um Qualzuchten.

    Lassen Sie die Finger von der Verpaarung Ihrer Meerschweinchen, wenn Sie nicht über Genetik in diesem Bereich informiert sind.



    Käfig/Stall/Gehege: Je größer desto besser!
    Für 2 Meerschweinchen sollte die Fläche mindestens 140x70 betragen, da die Tiere sehr bewegungsfreudig sind, bei diesem Mindestmaß sollte allerdings auch täglich zusätzlicher Auslauf gewährt werden. Gitterkäfige bekommt man z.B. im Zoofachhandel, bei Ebay oder in Internetshops wie Zooplus. Natürlich kann man aber auch ein Gehege / einen Stall selber bauen. Mittlerweile haben wir schon viele schöne Anregungen
    hier auf der HP. Ein oder mehrere Häuschen mit mindestens zwei Eingängen sind dringend notwendig, damit sich die Schweinchen verstecken können. Ein eingezogenes Brett als 2. Etage ist jedoch meiner Meinung nach noch besser geeignet. Da können sich die Tiere darunter verstecken oder oben drauf die Aussicht genießen.

    Marens Emma beim Schläfchen auf der Etage:


    Zusätzlicher Auslauf ist bei Käfighaltung nötig. Für den zusätzlichen Auslauf eignet sich ein PVC-Boden-Rest mit waschbaren Teppichen drauf (z.B. Signe-Teppiche von Ikea, sie sind bei 95 Grad waschbar). Da Meerschweinchen nicht hoch springen können reicht eine Umrandung von ca. 30 cm (höher ist natürlich auch möglich) die man entweder im Zoohandel kauft oder selber baut. Im Sommer können die Schweinchen natürlich auch im gesicherten Gehege draußen gehalten werden.

    Inspirationen zum Selber bauen findet man unter „Gehege“ bei www.lispet.de oder hier auf unseren Seiten.



    Wir alle kennen die klassischen Einrichtungen für Meerschweinchen-wohnungen. Da gibt es Häuschen, Heutunnel in verschiedenen Größen, mit denen man ganz toll spielen kann und die man auch super abfressen kann und natürlich dürfen die Weidenbrücken, auch in verschiedenen Größen erhältlich, nicht fehlen. Profis verwenden Etagen, weil Schwein sich darunter verstecken und auch in alle Richtungen wegflitzen und genauso darauf herumklettern kann und man somit zusätzlich Platz gewinnt.

    All diese Dinge sind prima zum Verstecken, Spielen, Abknabbern und Rumturnen, aber eines kann man damit nicht - man kann damit nicht kuscheln. Viele unserer vierbeinigen Freunde lieben einfach Kuschelsachen und die möchten wir heute einfach mal vorstellen.

    Anfangen möchten wir mit dem Kuschelsack. Hier kann der kleine Quieker sich ganz sicher fühlen und ein kleines Schläfchen halten. Wenn man darauf achtet, dass innen ein warmer Fleecestoff und außen ein stabiler anderer Stoff ist, dann kann man sich im Winter innen warmhalten und im Sommer außen drauf abkühlen. Gut - zugegeben, die Schweinis halten sich nicht immer an die Jahreszeit und nutzen meist beide Möglichkeiten.



    Ganz toll ist auch die Kuschelrolle, hier können unsere Meeris genauso ruhen wie im Kuschelsack, aber sie können sie auch noch als Tunnel zum durchlaufen nutzen. Dies tun sie besonders gerne, wenn sie Fangspiele machen.



    Für ein gemütliches Päuschen nach einem leckeren Mahl werden auch die Kuschelbettchen von den Schweinchen sehr gerne genutzt. Die Bettchen werden meist genauso gerne benutzt wie Rolle oder Sack, dies ist einfach auch von der Stimmung des Tieres und natürlich auch den Temperaturen abhängig.


    Zu guter Letzt gibt es dann noch die Hängematten. Wer nicht die Möglichkeit hat die Matten am Dach einer Etage oder an einem Gitteraufsatz zu befestigen, kann ein sog. Hängemattengestell benutzen, um die Nutzung einer Hängematte anzubieten. Manche Tiere liegen gerne hoch, die nächsten haben gerne einen etwas tieferen Einstieg (das ist von Tier zu Tier ganz unterschiedlich), hier kann man dann mit Verlängerungen an Aufhängungen arbeiten, z.B. mit Karabinerhaken oder einfach auch Bändchen, die man durch die Schlaufen zieht. Viele Schweinis legen sich auch gerne mal unter die Hängematte. Wer ein Hängemattengestell benutzt, kann auch oben drauf noch ein Handtuch oder ein Stück einer Fleecedecke legen, denn auch dieser Platz wird häufig gerne für ein Schläfchen genutzt.



    Sinnvoll ist es auch bei Weidenbrücken - sofern man Tiere hat, die gerne klettern - einfach über die Weidenbrücken ein Handtuch oder ein Stück Fleecdecke zu legen, um Verletzungen zu vermeiden. Selbstverständlich kann man auch hier Abdeckungen anfertigen.

    Wer für seine vierbeinigen Freunde noch etwas Beschäftigung sucht, der kann das leicht mit Heurollen/-socken erreichen. In diesem Fall wurde einfach ein Stück Stoff von einer alten Jogginghose verwendet, zusammengenäht und ein paar Löcher reingeschnippelt (wer mag, kann zwecks längerer Lebensdauer der Heurolle die Löcher ausnähen, das geht sehr gut mit einem Knopflochstich), dann das ganze Ding mit Heu aufgefüllt, evtl. noch ein paar leckere Kräuter im Heu versteckt und unsere Mitbewohner sind wunderbar beschäftigt - ein tolles Spiel.



    All die oben beschriebenen Dinge kann man im Internet in diversen Versandhandlungen käuflich erwerben. Wer etwas Geschick hat, kann diese Dinge auch selbst erstellen. Anleitungen dazu finden Sie hier: http://www.spikeskleinewelt.de/Kuschelecke.html

    Falls jemand bei sich zu Hause Stoffreste hat, die nicht mehr gebraucht werden, sind wir immer dankbare Abnehmer!

    Für Fragen, Wünsche und die Abgabe von Stoffresten wenden Sie sich an die Nürnberger Kuschelsachentantis



    Ganzjährige Aussenhaltung
    Ganzjährige Aussenhaltung von Meerschweinchen ist ein viel diskutiertes Thema.
    Wir können uns, zumindest hier in Bayern bzw. in klimatisch ähnlichen Regionen, nicht damit anfreunden und vermitteln somit auch keine Meerschweinchen in ganzjährige Aussenhaltung.
    Das fehlende Winterfell und die nackten Pfötchen haben zur Folge, dass die Meerschweinchen sich in den kalten Wintermonaten eigentlich nur im Stall aufhalten und das Aussengehege nicht bzw. kaum genutzt wird.
    Wo bleibt da die Lebensfreude?
    Die ideale Haltungsform ist für uns eine Aussenhaltung von Frühjahr (nach den Eisheiligen Mitte Mai) bis in den Herbst hinein und für den Winter ein geräumiger Eigenbau im warmen Haus mit Familienanschluss und viel Freilauf.

    Futter: Das Wichtigste ist Heu, Heu und nochmal Heu und im Sommer natürlich vorzugsweise Wiese (nicht Rasen!).
    VORSICHT: Die Tiere im Frühjahr sehr langsam nach draussen gewöhnen, es gibt jedes Jahr Todesfälle, weil die Meerschweinchen sofort über Stunden ins Gras gesetzt werden!!!

    Durch Gras und Heu werden die ständig nachwachsenden Zähne (4 Schneidezähne, 16 Backenzähne) abgeschliffen und die Verdauung gesund erhalten. Weiterhin brauchen sie Vitamin-C-haltiges Obst und Gemüse da sie das Vitamin C nicht selber bilden können. Z.B. Paprika, Broccoli usw. Gurke (ihre Leibspeise) Fenchel, Karotte, Apfel usw. runden das Menü ab.

    Ausserdem kann man oft und gerne Zweige von Apfelbaum, Birnbaum oder Haselnussstrauch servieren, das Benagen ist eine prima Beschäftigung und gut für die Zähne.
    Auch Grünfutter wie Löwenzahn und Giersch darf nach langsamer Gewöhnung in großen Mengen gereicht werden.

    Altes Brot, Salzlecksteine, Knabberstangen, Mineralsteine, Joghurtdrops und Sonstiges ist schädlich!

    Auch frisches Trinkwasser muss natürlich immer zur Verfügung stehen, manche Tiere bevorzugen Näpfe, andere wiederum Nippeltränken, entweder bietet man Beides an oder testet dies erstmal aus. Das Wasser sollte täglich gewechselt werden.

    FUTTERUMSTELLUNG

    Langsam, aber richtig ... das ist gesund und wichtig !!!

    Dass Joghurtdrops, Knabberstangen, Brot und das getreidehaltige, handelsübliche Trockenfutter unseren Meerschweinchen dauerhaft Schaden zufügt, haben mittlerweile zum Glück schon viele Menschen erkannt. Auch die Aufklärung durch die Tierärzte wird immer besser, aber wie erreichen wir nun auf die richtige Weise das Ziel, unsere Meerschweinchen dauerhaft gesund zu ernähren?

    Viele Erkrankungen (Aufgasungen, Magenüberladung, Übergewicht, Zahnprobleme) gäbe es nicht, wenn artgerecht gefüttert würde.

    Auf einigen Internetseiten und vor allem auch in Foren wird noch immer empfohlen, das "böse Futter" auf einen Schlag wegzulassen und nur noch Heu und Frischfutter zu geben ...

    DAS IST FALSCH UND KANN FATALE FOLGEN HABEN!!!

    Warum?

    Durch die Fehlernährung ist die Darmflora aus dem Gleichgewicht und kann das "gute Futter" (Frischfutter, Grünfutter) nicht richtig verwerten. Entzieht man ihm nun komplett das "böse Futter", wird das Verhältnis noch mehr gestört, was zu massivem Durchfall und Fehlgärungen führen kann. Auch andere Organe, wie z.B. die Leber, sind meistens vorgeschädigt und es sind leider Fälle von Organversagen mit Todesfolge nach radikalen Futterumstellungen bekannt. Geben Sie den Organen die Möglichkeit sich langsam zu regenerieren, was lange Zeit geschädigt wurde kann nicht von Heute auf Morgen schadlos eine 180-Grad-Wende überstehen.

    Die Umstellung muss langsam vorgenommen werden und hängt vom Einzelfall ab.
    Wie lange hat das Meerschweinchen schon Trockenfutter bekommen?
    Wurde zusätzlich Frischfutter gegeben?

    Was immer beachtet werden muss ist, dass Heu IMMER in großen Mengen zur Verfügung steht und nicht nur zu bestimmten Fütterungszeiten gereicht wird.

    Bei älteren Tieren müssen mehrere Wochen eingeplant werden, hier sollte man auf jeden Fall noch einen Esslöffel täglich (pro Meerschweinchen) reichen, vorzugsweise nicht zusammen mit dem Frischfutter. Ist Frischfutter gänzlich unbekannt, beginnen Sie hier mit kleinen Mengen von verträglichen Sorten, wie z.B. Karotten, Fenchel und Apfel. Paprika ist zwar nicht so leicht verdaulich, aber wichtig wegen dem hohen Vitamin C Anteil. Nach ca. 2 Wochen reduzieren Sie die Trockenfuttermenge auf einen Teelöffel und erhöhen die Frischfuttermenge und probieren neue Sorten in kleinen Mengen, z.B. Sellerie (Knolle und Grün), Tobinambur, Dill und Petersilie.

    Stellen Sie Verdauungsbeschwerden fest (Durchfall, Blähungen), dann lassen Sie die ungewohnten Frischfuttersorten sofort wieder weg und füttern nur bewährtes um es eine Woche später erneut zu versuchen.

    Bieten Sie zusätzlich frische Zweige (z.B. Apfelbaum oder Haselnuss) an, das fördert den Zahnabrieb und auch getrocknete Kräuter und Blüten, die meist einwandfrei vertragen werden.

    Klappt der zweite Schritt gut, dann reduzieren Sie nach weiteren zwei Wochen erneut und ergänzen Sie das Frischfutter wieder ein wenig (z.B. durch Karottengrün, Kohlrabiblätter, Giersch und Schafgarbe). Behalten Sie diese Fütterung ca. 4 Wochen bei und lassen die das Trockenfutter nun langsam auslaufen. Gibt es Probleme, gehen Sie wieder einen Schritt zurück.

    Unterstützend sollten Sie Ihren Meerschweinchen BirdBeneBac (erhältlich beim Tierarzt) zum Aufbau der Darmflora geben (täglich ein erbsengroßer Klecks).

    Sehr alte Meerschweinchen (ab ca. 6 Jahre), die ihr Leben lang mit getreidehaltigem Trockenfutter ernährt wurden, würden wir persönlich nicht mehr umstellen, hier schadet die Veränderung unserer Meinung nach mehr als sie noch Nutzen bringen kann.

    Der Bericht über Futterumstellung entspricht unseren Erfahrungen und wurde nach Rücksprache mit unseren Tierärzten und kaninchenerfahrenen Haltern erstellt. Man muss natürlich beachten, dass jedes Meerschweinchen anders reagieren kann und dann individuell darauf eingegangen werden muss. Wir beraten Sie hier gerne persönlich und auch ein meerschweinerfahrener Tierarzt wird Ihnen bestimmt mit Rat zur Seite stehen.

    KASTRATION / FRÜHKASTRATION

    Was ist der Unterschied zwischen einer Sterilisation und einer Kastration?
    Bei einer Kastration werden beim männlichen Tier die Hoden und beim weiblichen Tier die Eierstöcke entfernt. Bei einer Sterilisation werden die Keimdrüsen, also Hoden bzw. Eierstöcke nicht entfernt, sondern abgebunden oder durchtrennt. Da beim Abbinden die Keimdrüsen im Körper bleiben, werden genauso viel Hormone freigesetzt wie ohne Eingriff.
    In der Tiermedizin wird in der Regel nur kastriert und nicht sterilisiert, da eine Sterilisation zuviel Nachteile mit sich bringt.

    Wann wird eine Kastration bei einem männlichen Meerschweinchen nötig?
    Wir sind der Meinung, dass jedes männliche Meerschweinchen kastriert werden sollte.

    Warum?
    Meerschweinchen leben in freier Natur in ihrer Heimat Südamerika in Sippen. Es sind Gruppentiere, die nicht einzeln gehalten werden dürfen. Das Natürlichste ist die Haremshaltung, also ein Meerschweinchenböckchen mit einem, besser noch mit mehreren Weibchen. Ist das Böckchen nicht kastriert, sind die Weibchen dauerträchtig. Alle 14-18 Tage werden die Weibchen empfängnisbereit. Meerschweinchenweibchen können gleich nach der Geburt nachgedeckt werden. Die Tragezeit beträgt 68-72 Tage. Man kann sich leicht ausrechnen, wie viele Meerschweinchen das innerhalb kürzester Zeit werden.

    Kastration von geschlechtsreifen Böckchen:
    Wird ein geschlechtsreifes Böckchen (ab einem Alter von ca. 3-4 Wochen oder einem Gewicht von ca. 250 g) kastriert, muss nach der Kastration eine Kastrationsquarantäne von 6 Wochen eingehalten werden. Im Samenleiter befinden sich nach der Entfernung des Hodens noch Spermien, die bis zu 6 Wochen lebensfähig sind.

    Frühkastration:
    Ab einem Gewicht von 250 g ist ein männliches Meerschweinchen unter Umständen schon zeugungsfähig. Ist das Gewicht zwischen 200 g und 250 g bietet sich eine Frühkastration an.

    Vorteile:
    Das Babyböckchen kann noch bei der Mama bleiben ohne dass etwas "passieren" kann. Die Kastrationsquarantäne entfällt, da noch keine Spermien gebildet wurden.
    Nachteile:
    Außer dass es vielleicht Überwindung kostet so einen kleinen Kerl schon zu kastrieren gibt es keine Nachteile. Die Vorteile überwiegen einfach, denn die Operation dauert nicht lange und gleich danach kann es unbeschwert in seiner Gruppe bei der Mama und seinen Geschwistern aufwachsen und muss nie alleine sein, was wichtig für sein Sozialverhalten ist. Nach der Trennung von seiner Mutter kann er gleich zu einem oder mehreren Weibchen ziehen. Dass Frühkastraten später keine "Männer" sind hat sich unseren Erfahrungen nach nicht bestätigt, sie besitzen das gleiche Verhalten wie "Spätkastraten".

    Männliches Babyschweinchen


    Kastrawunde von Frühkastrat Ricchie


    Wir empfehlen zu Weibchen immer einen Kastraten, denn dieser entspannt oft die Situation, wenn die Weibchen "zicken", zu dem soll allein die Anwesenheit eines Kastraten die Gefahr von Eierstockszysten herabsetzen.

    Werden Weibchen auch kastriert?
    Nach dem heutigen Stand der Tiermedizin ist eine Weibchenkastration noch sehr risikoreich und sollte nur durchgeführt werden, wenn es medizinisch notwendig ist.

    Kann ich die OP mit einer Böckchengruppe umgehen?
    Wir sind der Meinung, dass Böckchengruppen nicht die artgerechteste Haltungsform sind.
    Sehr oft werden wir kontaktiert, weil sich 2 Böckchen nach 6 Monaten, einem Jahr oder auch nach 2 oder mehr Jahren von jetzt auf gleich zerstritten haben und die Besitzer nun vor einem Problem stehen. Entweder müssen dann beide kastriert werden und jedes Böckchen muss dann ein Weibchen bekommen oder man muss sich von einem trennen, lässt das andere kastrieren und setzt dann Weibchen dazu. Auch wird's schwierig, wenn sich die beiden Herren bis ins hohe Alter gut verstehen und dann eines stirbt. Zurück bleibt ein unkastriertes Männchen der entweder bis zu seinem Tode alleine sitzen muss oder man setzt in der Regel ein Babyböckchen dazu, welches sich mit dem alten Herrn langweilt und der Alte ist genervt von dem Rumgewusel des kleinen Springinsfelds. Weibchen kann man auch dann nicht dazu setzen wenn das unkastrierte Männchen schon sehr alt ist, das Risiko einer Trächtigkeit ist einfach zu hoch und gerade für ältere Weibchen kann eine Geburt tödlich enden.

    Welche Risiken gibt es bei einer Kastration?
    Eine Kastration ist eine Operation. Wie bei jeder Operation gibt es natürlich auch bei so einer Routineoperation ein kleines Risiko. Genauso wie es bei einer Mandeloperation beim Menschen auch ein Risiko gibt. Sollten Sie Bedenken haben, sprechen Sie einfach mit dem Tierarzt ihres Vertrauens oder mit uns.


    Krankheiten: Meerschweinchen sind nicht besonders krankheitsanfällig, dennoch können sie krank werden. Die beste Vorbeugung gegen Krankheiten ist eine gute Haltung mit vernünftiger Ernährung in einer stabilen Gruppe, die viel Platz und Auslauf zur Verfügung hat. Sollten Sie trotzdem feststellen, dass sich das Tier anders als sonst verhält, ist es immer besser einen Tierarzt zu Rate zu ziehen.
    Die häufigsten Fälle die einen Tierarztbesuch nötig machen sind:
    Parasiten: Wie z.B. Milben und Haarlinge. Diese Mitbewohner leben im Fell. Erste Anzeichen dafür können häufiges Kratzen sein. Der Tierarzt Ihres Vertrauens wird dem Meerschweinchen dann entweder eine Spritze geben oder ein Mittel zwischen die Schulterblätter träufeln. Nach zweimaliger Behandlung sind die Plagegeister in der Regel verschwunden. Natürlich müssen die Partnertiere mitbehandelt werden, damit es keinen Pingpongeffekt gibt. Haarlinge sind nicht auf den Menschen übertragbar, Milben allerdings schon.
    Pilzinfektionen: Zeigen sich plötzlich kahle Stellen ist beim Tierarzt abzuklären ob es sich hierbei um einen Pilz handelt. Auch Pilze sind auf den Menschen übertragbar.
    Abszesse: Verletzungen können sich entzünden und eitrig werden, auch hier muss ein Tierarzt zu Rate gezogen werden. Eigenes "Rumdoktern" ist gefährlich und kann zum Tode des Tieres führen.
    Eierstockzysten: Diese kommen natürlich nur bei Weibchen vor. Wenn ein Weibchen plötzlich hinten unförmig wird und sich evtl. kahle Flanken zeigen ist an Eierstockzysten zu denken. Auch hier muss der Tierarzt konsultiert werden.
    Blähungen: Was für uns Menschen eher unangenehm ist kann für Meerschweinchen lebensbedrohlich sein. Sollte ihr Meerschweinchen sich plötzlich anders verhalten und einen harten, gespannten Bauch haben, ist ein SOFORTIGER Tierarztbesuch anzuraten. Die Zeit bis dahin kann evtl. mit Sab Simplex oder Lefax-Tropfen überbrückt werden.

    Generell kann gesagt werden, dass irgendwelche Veränderungen, sei es im Verhalten oder Aussehen vom Tierarzt abgeklärt werden sollten. Kommt ein Meerschweinchen nicht wie üblich zur Fütterung, ist dies ein absolutes Alarmzeichen!
    Ebenfalls ist ein jährlicher Check mit Zahnkontrolle zu empfehlen. Einmal die Woche sollten die Meerschweinchen vom Besitzer gründlich angeschaut/untersucht werden. Dabei sollten Krallen, Fell, Augen, Popo und die Schneidezähne (Backenzähne kann nur der Tierarzt gründlich anschauen ) untersucht werden.

    Impfen: Für Meerschweinchen sind derzeit keine Impfungen auf dem Markt

    Kaudaldrüse
    Sollten Sie feststellen, dass Ihr Meerschweinchen am hinteren Rücken klebrig ist und evtl. auch merkwürdig riecht und krankhafte Ursachen (Eiter aufgrund Bissverletzung etc.) ausgeschlossen werden können, dann kann es sich hier um Sekrete aus der Kaudaldrüse handeln. Diese werden produziert, um in der Sippe erkannt zu werden und und auch zum sexuellen Anreiz.

    Bei Böcken ist dies häufiger als bei Weibchen, es besteht kein Grund zur Sorge.

    Nur wenn die Sekrete stark riechen sollte man das Meerschweinchen sauber machen, Ihr Tierarzt kann Ihnen ein geeignetes und unschädliches Mittel geben. Bitte baden Sie Ihr Meerschweinchen auf keinen Fall!

    An dieser Stelle befindet sich die Kaudaldrüse, s. Vertiefung im Fell


    Die Haut sieht hier schuppig aus, dies ist nicht bedenklich!


    Perinealtasche (Säuberung)
    Dieses unschöne, aber oftmals notwendige Ereignis steht vorwiegend Besitzern von unkastrierten bzw. erst spät kastrierten Böckchen ins Haus.

    Im Normalfall kommen Meerschweinchen gut selbst damit klar, sollte dies jedoch nicht mehr der Fall sein oder haben sich feste, hartnäckige Rückstände angesammelt, so muss man hier helfend zur Tat schreiten. Durch das in der Tasche gebildete Markierungssekret (Bock reibt mit der Perinealtasche zur Reviermarkierung über den Boden), vermischt mit Haaren, Kotresten, Heuhalmen und Einstreu, können sich von Zeit zu Zeit diese Rückstände bilden, mit denen ältere oder kranke Tiere nicht mehr selbst zu Rande kommen. Je nach Größe des Inhalts kann dies für das Tier auch schmerzhaft sein und sogar Verdauungsprobleme zur Folge haben, weil der Darm abgedrückt wird.

    Das wichtigste Hilfsmittel hierbei ist die Wäscheklammer für die eigene Nase, denn der Inhalt der Perinealtasche stinkt wirklich zum Himmel und ist nichts für Menschen mit empfindlichen Mägen. Dann lassen Sie sich bitte von Jemanden helfen, bevor Sie evtl. noch umkippen.

    Zur Hand haben sollte man Wattestäbchen, evtl. lauwarmes Wasser und Salatöl bzw. Babyöl ohne Zusätze, ein Handtuch und fusselfreie, weiche Wegwerftücher (Taschentücher, Küchenrolle, parfümfreie Kosmetiktücher).

    Einfacher ist die Handhabung anfangs zu Zweit, einer legt sich das Meerschweinchen auf ein Handtuch auf den Schoß (Meerschwein auf den Rücken drehen) und hält es fest, der andere reinigt die Tasche.

    Bitte erst nachsehen, ob überhaupt Rückstände vorhanden sind. Dies sieht man in der Regel sehr gut, weil die Perinealtasche dann prall gefüllt ist. Nun mit den Fingern umfassen und vorsichtig etwas nach aussen stülpen. Mit der anderen Hand kann man nun etwas rundherum drücken (nicht mit Gewalt!), dann quillt einem der duftende Inhalt meist schon entgegen. Nun vorsichtig mit einem Wattestäbchen die gröberen Brocken nach aussen befördern (kann man auch mit einem Taschentuch etc. anfassen), für die Reinigung von verklebten Resten erst die Rückstände mit einem nassen Wattestäbchen anlösen und dann mit einem mit Öl leicht getränkten WS sanft entfernen. Bitte nicht zu tief herumstochern und auch nicht mit einer Pinzette oder ähnlichem arbeiten, dabei kann es zu Verletzungen kommen.

    Wir hatten Schweinchen in der Vermittlung, bei denen zu Anfang alle paar Tage eine Reinigung von Nöten war, nach der Kastration wurde dies dann deutlich besser und dieser Stinkejob musste nur noch selten erledigt werden.

    Es ist zwar nur ein schwacher Trost ... aber ich habe mich sogar daran gewöhnt und empfinde es heute nur noch als wenig unangenehm ;-)


    Kinder und Meerschweinchen:
    Meerschweinchen sind unserer Meinung nach für Kinder über 8-10 Jahren geeignet. Kleinere Kinder besitzen noch nicht das nötige Geschick ein Meerschweinchen behutsam und doch konsequent zu halten. Leider kommt es hier oft zu schlimmen Unfällen, wenn die Tiere fallen gelassen werden. Da Meerschweinchen Fluchttiere sind, sind sie ziemlich schreckhaft. Das Kind sollte also schon eine Portion Geduld und Einfühlungsvermögen mitbringen. In den meisten Fällen sind Kinder nicht in der Lage die Tiere selbständig zu versorgen. Es bedarf also immer der Mithilfe der Erwachsenen, die also auch total hinter den Meerschweinchen stehen sollten. Auch ist bei Kindern und Jugendlichen damit zu rechnen, dass die erste Euphorie über die neuen Tiere nachlässt und die Arbeit dann an den Eltern hängen bleibt.

    Meerschweinchen sind aufgrund ihrer Lebhaftigkeit KEINE Kuscheltiere, sondern sehr interessante Hausgenossen, die man wunderbar beobachten kann. Sie haben Angst beim Herumtragen, aufgrund der Angstarre, in die sie dann oft fallen, wird dies aber meistens fehlinterpretiert und es heißt "die haben sich gar nicht gewehrt, also macht es ihnen nichts aus" ... IRRTUM !!!

    Auch werden im Zoohandel etc. Leinen und Geschirre für Meerschweinchen angeboten, das finden Kinder natürlich toll, so kann man ja seine Meerschweinchen "Gassi führen" ... dies ist übelste Tierquälerei, ein Meerschweinchen braucht im Auslauf Versteckmöglichkeiten, es steht am Ende der Nahrungskette, ist immer in Habachtstellung und fluchtbereit, diese Leinen/Geschirre sind furchtbarer Stress für die kleinen Nager und beim Versuch in Panik zu fliehen gab es schon genügend Verletzungen mit Todesfolge.

    Das alles können Kinder aber nicht wissen, darum sind WIR ERWACHSENE ... WIR ELTERN gefordert uns das nötige Wissen anzueignen und unserem Kind zu vermitteln, erst wenn WIR wissen was ein Meerschweinchen für Bedürfnisse hat und sicher sind, dass unser Kind diese auch erfüllen kann (mit unserer Hilfe), sind Meerschweinchen die richtigen Hausgenossen ... und dann werden wir auch sehr viel Freude an ihnen haben, weil wir sie VERSTEHEN.


    Die neugierige Bande von Sabine und Helmut aus Nürnberg
    ... wer beobachtet hier wen? :-)))


    Meerschweinchen und Hunde:
    Vielen Dank an Jeannine Hägele für diesen Erfahrungsbericht!

    Am 31.03.07 war es soweit. Unser Hund Lemmy zog bei uns ein. Lemmy stammt aus einer spanischen Tötungsstation und war bereits bei einer Pflegestelle in München untergebracht. Lemmy ist 14 Monate alt und die mitwirkenden Rassen völlig unbekannt.

    Nun stellte sich die Frage: "Und wie machen wir das mit den Meerschweinchen?" Hm, im Internet konnte ich keine wirklichen Tipps finden, also mußte Probieren eben über Studieren gehen. Sind wir denn die einzigen Kleintierhalter, die sich einen Hund anschaffen und davon träumen, dass der ganze Haushalt, bestehend aus Menschen, Meerschweinchen und Hund zusammen im Wohnzimmer TV kucken? Naja, vielleicht hilt meine Vorgehensweise anderen Leuten in ähnlicher Situation weiter. Ich kenne nämlich auch Leute, die umgehend ihre Kaninchen und Meerschweinchen weggegeben hatten, sobald feststand, dass ein Hund gekauft wird.

    Vor Lemmys Ankunft noch das Meerschweinchengehege "Hundesicher" verbauen und den Käfig unserer Böckchen verriegeln!!

    Nun steht also Lemmy vor unserem Wohnzimmer und bemerkt, dass da drin wohl was Interessantes sein muss. Erst mal durfte Lemmy nur in der Wohnzimmertüre stehen und aus sicherer Entfernung die herumwuselnden Dinger beobachten. Ich hatte ihm auch mal eine gebrauchte Kuschelrolle und Streu zum Beschnuppern hingelegt.

    Sobald Lemmy im Wohnzimmer anfing zu bellen, das Gehege anzustupsen oder zu weinen, weil er unbedingt zu den Schweinchen wollte, kam von mir ein kräftiges "NEIN" und Lemmy wurde für ein paar Minuten vor die Wohnzimmertüre gesetzt. Bleibt er im Wohnzimmer brav wird natürlich kräftig gelobt, auch mit Leckerchen. Das Prozedere ging natürlich über 2-3 Tage so. Nach 3 Tagen wußte Lemmy, dass er die Schweinchen anschauen darf, mehr aber nicht. Also kein Bellen, kein Weinen und kein Versuch die Nase ins Gehege zu stecken.

    Mittlerweile ist Lemmy recht cool und schaut aber dennoch regelmäßig bei den Schweinchen vorbei und legt sich dann wieder im Wohnzimmer auf die Couch und pennt. Natürlich müssen wir Lemmy gelegentlich wieder an das Geübte erinnern, aber das wird nie ausbleiben!

    Dennoch gilt natürlich: "Die Schweinchen nicht frei in Anwesenheit des Hundes laufen zu lassen", denn hier würde ich meine Hand nicht ins Feuer legen ;-)

    Was die Meerschweinchen angeht, bin ich überrascht wie unbeeindruckt diese von einem Hund sind. Wahrscheinlich wissen sie ganz genau, dass die Riesenfellnase nicht in ihr Gehege kommt. Bestimmt strecken sie Lemmy die Zunge entgegen und quietschen "Ällabätsch ... Du kommst hier ned rein"!!



    Allergien: Nehmen leider immer mehr zu, daher klären Sie bitte im Vorfeld ab, ob ein Mitglied Ihrer Familie allergisch auf Meerschweinchen reagiert oder evtl. auch auf das Heu, welches Meerschweinchen unbedingt in großen Mengen zur Verfügung haben müssen.

    Aufwand und Kosten: Regelmäßiges Säubern des Käfigs/Geheges, Krallenschneiden und Gesundheitscheck und natürlich evtl. Tierarztkosten, die auch in den dreistelligen Bereich gehen können, wenn eine Operation erforderlich wird.
    Wer übernimmt die Urlaubspflege?

    Weiterführende Links und Literatur:
    Bücher: Artgerechte Haltung ein Grundrecht auch für Meerschweinchen – von Ruth Morgenegg
    Wissenswertes über Meerschweinchen – zu beziehen bei www.Meerschweinchenhilfe.de
    Das Meerschweinchen als Patient – Ilse Hamel (ein Nachschlagewerk über Krankheiten)
    Internet: www.diebrain.de (umfangreiche Informationen)
    www.meerschweinforum.de (Meerschweinchenforum)
    www.lispet.de (Eigenbauten für Meerschweinchen)
    www.cavias.de/musik.htm (hier kann man sich anhören was Ihr Meerschweinchen Ihnen sagt, mit Übersetzung ;-) )

    Do you speak schweinzisch
    Die Sprache unserer Mitbewohner


    Im Gegensatz zu Kaninchen kommunizieren Meerschweinchen über Laute miteinander und auch mit ihrem Zweibeinern.

    Den Laut, den Herr und Frau Schweinzel gegenüber seinem Gurkenschnibbler am Meisten anwendet, könnte man, gemein ausgedrückt, auch als "Anbrüllen" bezeichnen, ein lautes und durchdringendes Quieken, welches übersetzt "HUNGER" bedeutet ... und wie viele geplagte Zweibeiner ja wissen, tritt dieses Hungergeschrei seltsamer Weise auch auf, wenn die Bäuche nach einer leckeren Frischfuttermahlzeit gut gefüllt sind.

    Am Glücklichsten macht mich die Schweinebande am Sonntag, wenn ich meinen Thomas morgens gaaaaaanz leise frage wie spät es denn sei, um mich erfreut nochmal 10 Minuten in die Decke zu kuscheln ... und 2 Sekunden später im übernächsten Zimmer der quiekende Entrüstungssturm losbricht ... ich sehe sie dann vor meinem genervten, geistigen Auge, das Messer in der rechten, die Gabel in der linken Pfote, im Takt energisch auf den Boden schlagend und im Chor quiekend "WIR HABEN HUNGER, WIR HABEN HUNGER" ... tja, das war's dann mal wieder mit dem Traum vom Ausschlafen.

    Zwitschern
    Als ich zum ersten Mal dieses Geräusch gehört habe, stand ich äußerst verwirrt da ... wir haben keine Vögel in der Wohnung!!!

    Es hört sich tatsächlich an wie Vogelgezwitscher oder ist auch ein wenig vergleichbar mit dem Zirpen einer Grille.
    Bei näherem Nachdenken und den Beobachtungen der inzwischen doch zahlreichen Pflegemeerschweinchen ziehe ich folgendes Resümee:

    Die Tiere zwitschern in Zeiten mit erhöhtem Stressfaktor bzw. kurz danach, also in der Phase der Stressbewältigung.
    Zum Beispiel neue Tiere, die gerade eingezogen sind und aus schlechter Haltung stammen oder auch während und nach einer Vergesellschaftung.

    Sollten Sie bei Ihren Meerschweinchen dieses Zwitschern öfter hören, beobachten Sie bitte, ob es evtl. Rangstreitigkeiten gibt oder andere Umstände, die Stress auslösen könnten. Versuchen Sie bitte diese Umstände zu beseitigen, dauerhafter Stress kann Auslöser für einige Krankheiten sein!

    Klappern
    Das Klappern mit den Zähnen gegenüber Artgenossen ist bei Vergesellschaftungen an der Tagesordnung (Klärung der Rangordnung), aber auch bei normalen Zwistigkeiten im Zusammenleben zu hören.

    Klappert das Schweinchen seinen Zweibeiner an, bedeutet dies "Lass mir bloß meine Ruhe, ich hab jetzt keine Lust auf Schmusestunden". Falls man es dann doch zu seinem vermeindlichen Glück zwingt, schlägt es oft energisch seinen Kopf gegen die Hand, um die Unlust zu verdeutlichen. Auch dieses Signal wird gegenüber Artgenossen eingesetzt.

    muig-muig
    Ein leises Geräusch, das oft zu hören ist, wenn Meeris augenscheinlich die neuesten Neuigkeiten miteinander austauschen. Diese "Plauderrunden" laufen friedlich und entspannt ab.

    Oft muigen die Schweinchen auch auf Spaziergängen vor sich hin, vielleicht führen sie ja zufriedene Selbstgespräche?

    Brommseln
    Wiegende Hüften, stakselnde Schritte, den Kopf wie ein Stier gesenkt und dieses komische Geräusch ... meistens sind es die Böcke, die Weibchen so zu imponieren versuchen. Aber auch unter Böcken wird gebrommselt um seinen Rang zu demonstrieren und auch bei Weibchen ohne Böcke ist Gebrommsel ab und an zu hören.

    Hier ein entspanntes Schweinchen bei seinem Mittagsschlaf
    Tipps zur Vergesellschaftung


    Bei der Vergesellschaftung von Meerschweinchen sollte auf jeden Fall ein neutraler Ort, also nicht der Käfig oder das Gehege des/der bisherigen Schweinchen, gewählt werden.

    Super eignet sich hierfür schlicht und ergreifend eine Badewanne, in die man ein altes Bettlaken, ein großes Handtuch oder ähnliches legt, Frischfutter verteilt und in der Mitte am Besten noch einen Heuberg auftürmt. Bitte keine Häuschen mit nur einem Eingang dazu verwenden, da ein Tier darin leicht in die Enge getrieben wird und es zu bösen Verletzungen kommen könnte.

    Auch ein aufblasbares Plantschbecken hat bei einer unserer Vermittlungen schon gute Dienste als neutraler Boden geleistet.

    Wenn die Vergesellschaftung friedlich abläuft kann man in Ruhe das alte Revier GRÜNDLICH reinigen, am Besten mit Essigwasser, und neu einrichten. Für die ersten Tage bitte auch nicht das bisherige Inventar verwenden, das sollte man erst wieder langsam mit einbauen, wenn das Paar / die Gruppe stabil ist. Als Übergangseinrichtungen eignen sich Pappkartons, in die man zwei Eingänge schneidet und alte Handtücher, die man als Hängematten aufhängt.

    Die ersten Minuten einer Zusammenführung sollte man auf jeden Fall gut beobachten, brommseln, aufreiten und Gejage und auch mal ein Kniff in den Popo sind ganz normal, einschreiten sollte man nur, wenn es zu richtigen Attacken und Bisswunden (vor allem am Kopf) kommt.


    Vergesellschaftungsberichte

    Bericht der 4-er Zusammenführung von Silkes Meerschweinchen

    Infoblätter zum Mitnehmen

    Meerschweinchen Ernährung (Kurzinformation)
    Herzlichen Dank an Caro & Jo für die künstlerische Umsetzung

    Literaturtipps


    Mit Heinz Sielmann
    Meerschweinchen
    Erleben, verstehen, beschäftigen

    Kosmosverlag 2005, € 7,95

    Ein wirklich empfehlenswertes Buch für Meerschweinchenfreunde und solche, die es werden wollen! Es werden nicht nur alle wichtigen Themen, wie z.B. die richtige Fütterung, Gesundheit, Käfiggröße und vieles mehr behandelt, sondern auch viele Anregungen gegeben, wie man seine Meerschweinchen beschäftigt bzw. sich mit ihnen beschäftigt. Dieses Thema bildet den Schwerpunkt des Buches. Es werden Ideen für die Gehegeeinrichtung gegeben aber auch Vorschläge für Spiele mit dem Meerschweinchen gemacht, die die Bindung zwischen Mensch und Tier stärken können. Mehrmals wird darauf hingewiesen, wie wichtig Abwechslung, Platz, Artgenossen und Anregungen für die Tiere sind und dass nur so die Meerschweinchen auch dem Menschen Freude bereiten. Auch für Kinder ist dieses Buch absolut empfehlenswert, denn es vermittelt auf schöne Art, wie sie sich artgerecht mit ihren Meerschweinchen beschäftigen und Vertrauen aufbauen können, so dass Mensch und Tier Freude an dieser gemeinsamen Beschäftigung haben. Viele wunderschöne Fotos unterstreichen die Botschaft des Buches: Meerschweinchen sind, wenn sie richtig gehalten werden, interessante und aufgeweckte Mitbewohner, die viel Freude bringen. Herzlichen Dank an Pilar Fürst